Hat das endlose scrollen bald ein Ende?
Aus wenigen Minuten auf TikTok können ganze Stunden werden. Endloses Scrollen, die schnelle Dopaminausschüttung und personalisierte Algorithmen entfalten eine starke Sogwirkung, die das Nutzungsverhalten maßgeblich prägt.
Genau dieses Design gerät zunehmend in die Kritik. Neben TikTok stehen auch mehrere große Online-Plattformen im Verdacht, gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen zu haben. Die europäische Verordnung verpflichtet Plattformen zu klaren Vorgaben, die von der Moderation von Inhalten über den Schutz von Nutzerrechten bis zum Umgang mit illegalen Inhalten im Netz reichen.
„Soziale Medien können sich negativ auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken. Der Digital Services Act macht Plattformen für die Auswirkungen verantwortlich, die sie auf ihre Nutzerinnen und Nutzer haben können“, betonte Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen und unterstrich den Anspruch der Europäischen Union auf eine konsequente Durchsetzung des geltenden Rechtsrahmens.
Dabei könnten die vorläufigen Ergebnisse der Europäischen Kommission zum süchtig machenden Design von TikTok einen Wendepunkt für den Schutz des digitalen Wohlbefindens der Nutzerinnen und Nutzer im Rahmen des EU-Rechts markieren. Die Kommission hat inzwischen ein Verfahren gegen TikTok eingeleitet und fordert strukturelle Anpassungen. Das Unternehmen hat nun die Möglichkeit, die Untersuchungsakten einzusehen und sein Recht auf Verteidigung wahrzunehmen. Vorerst besteht jedoch die Hoffnung, dass eine konsequente Durchsetzung des DSA das Design der Plattform zum Besseren verändern könnte.
Impulse aus Schleswig-Holstein
Parallel dazu bleibt die Verbreitung von Desinformation und extremen Inhalten eine zentrale Herausforderung. Social-Media-Plattformen fungieren als Resonanzräume für verzerrte politische Narrative und radikale Diskurse.
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Ansatz der politischen Bildung an Relevanz: das sogenannte Prebunking. Anders als beim nachträglichen Widerlegen von Falschinformationen setzt es früher an. Ziel ist es, Nutzerinnen und Nutzer für Manipulationsstrategien zu sensibilisieren, bevor sie auf entsprechende Inhalte treffen.
In Schleswig-Holstein werden diese Fragen im Rahmen der Europawochen aufgegriffen. Der Workshop „Immun gegen rechts? Prebunking-Interventionen zu Kommunikationsstrategien der neuen Rechten für den Unterricht“ vermittelt praxisnah, wie Medienkompetenz gestärkt und junge Menschen im Umgang mit digitalen Inhalten unterstützt werden können. Weiterführende Materialien, aktuelle Entwicklungen und praxisnahe Impulse für den Unterricht bündelt zudem der Newsletter für Lehrkräfte der Europa-Union Schleswig-Holstein.
Zwischen Brüssel und Schleswig-Holstein zeigt sich, dass digitaler Schutz und Aufklärung nur dort gelingen, wo Regulierung und gesellschaftliche Bildung ineinandergreifen.